Beschreibung der Fahrradtour 2007: 25. Juni - 5. Juli
Saale - Elbe¶
Platzhalter Komoot-Tourplan
Anreise und Etappe 1: Montag, 25. Juni¶
Spät im Jahr, aber nicht minder erwartungsfroh treffen sich Vater und Sohn bei sonnigem Wetter um 7.30 h in der Marschallstraße. Stefan hat bereits am Vortag Gepäck und „Steppenwolf“ in Schwabing eingeparkt, um im Berufsverkehr der U-Bahn am Montagmorgen nicht in Bedrängnis zu kommen. Ludwig, der in diesem Jahr an der Tour leider wieder nicht aktiv teilnehmen kann, hat sich bereit erklärt, uns mit seinem Wagen nach Hof zu bringen und uns die nächsten zwei Tage per Auto zu begleiten.
Leider beginnt der Tag für Ludwig auf seinem Weg vom Ammersee nach München mit einem Stau, so dass wir erst um 8.40 h Fahrräder und Gepäck verladen und Hof über Regensburg ansteuern können. Die weitere Anfahrt erfolgt reibungslos. In Hof an der Michaelisbrücke auf dem Parkplatz vom Media-Markt machen wir die Räder startklar. Erst noch eine Stärkung an einer Imbiss-Bude, die mit „Russischen Spezialitäten“ wirbt. Wir probieren Sebresku, eine frittierte Teigtasche mit Fleischfüllung, und spülen das Ganze mit einer Cola hinunter.
Dann schlendern wir noch durch den Fernwehpark, einer Ansammlung von Orts- und Straßenschildern aus aller Welt. Vom Fernweh nun endgültig gepackt, verabschieden wir uns für einige Stunden von Ludwig und unserem Gepäck. Wir starten um 12.15 h und fahren unmittelbar am Fluss entlang in Richtung Tagesziel: Hof – Saalenstein – Joditz – Rudolphstein – Pottiga – Blankenstein – Harra – Saaldorf – Saalburg
Von Hof aus verläuft der Weg durch eine hügelige Landschaft und schattige Wälder, zum Teil gemeinsam mit dem Jean-Paul-Wanderweg. Der Anstieg hinter der Unterführung der Autobahn A 72 wird mit einer Schussfahrt zur Fattigsmühle, einem Fachwerkbau aus dem 17. Jahrhundert, belohnt. Bergauf und bergab wechselt stetig entlang des größten Stausees Deutschlands. Rolf steigt ein paar Mal ab und schiebt. Die ersten Keucher und Schweißtropfen sind fällig. Wie gut, dass das Gepäck in Ludwigs Auto mitfährt.
Abwechslung bietet ebenfalls das Wetter: Sonne, Wolken und ein heftiger Regenschauer. Kurz untergestellt und schon geht es weiter. 11 km vor Saalburg treffen wir Ludwig um 16.30 h zum zweiten Mal. Dunkle Regenwolken veranlassen uns nach kurzer Diskussion die Räder zu verladen und den Rest der Strecke zum Hotel im Auto zurückzulegen. Was für eine weise Entscheidung! Kaum Platz genommen, geht ein Wolkenbruch mit heftigem Gewitter los. Dann stellen wir auch noch fest, dass das Hotel auf einer Anhöhe liegt und der Weg dahin völlig ungeschützt ist. Glück gehabt! Wir sind Ludwig dankbar und spendieren das Abendessen.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 37 km |
| Fahrtzeit | 2h 46’ |
| Durchschnitt | 13,3 km/h |
Das Hotel Fürstenhöhe in Saalburg-Ebersdorf erinnert an ein früheres DDR Schulungszentrum. Wir stärken uns mit
- Tomatensuppe
- Zwiebelrostbraten (zäh, vielleicht von einer altersschwachen DDR-Kuh)
- Lobensteiner Pils und DoDoKo
und ziehen uns bald zurück.
Etappe 2: Dienstag, 26. Juni¶
Der Wettervorhersage im Frühstücksfernsehen ist eindeutig: Regen, Regen und zur Abwechslung Sturm. Beim Frühstück um 7.00 h kommen wir zu dem Entschluss: Wir fahren im LKW (Ludwig-Krämers-Wagen) mit bis Drognitz und starten dann. Die Schiffsfahrt mit der MS Drachenschwanz auf dem Bleilochstausee lassen wir vorsichtshalber ausfallen. Vom regensicheren Auto aus sehen wir eine feuchte, aber schöne Landschaft, viel Wald, den riesigen Stausee, sehr steile Anstiege und noch mehr durchnässte Radler, die sich auf der Bundesstraße nach oben quälen oder frierend bergab rollen.
In Ziegenrück steigen wir aus und machen bei Nieselregen einen kurzen Spaziergang. Dann treffen wir die Entscheidung: Wir nehmen Ludwigs Angebot an und fahren weiter mit bis zum Hotel Anker in Saalfeld. Dort laden wir Gepäck und Räder aus, belegen um 11.30 h unser Hotelzimmer und erfreuen uns im mit viel Kitsch dekorierten Café Wien an Cappuccino und selbstgebackenem Kuchen.
Ludwig verabschiedet sich, tritt die Rückreise an und wir sind sehr froh, dass wir so trocken und mühelos nach Saalfeld gebracht worden sind.
Fahrleistung: null
Stefan und Rolf richten sich im Hotelzimmer ein und lassen die noch feuchten Rad-Klamotten vom Vortag trocknen. Zuerst ein Stadtbummel durch Saalfeld mit einer Bratwurst-Stärkung auf dem Markt, dann geht es in Richtung der farbenreichen „Saalfelder Feengrotten“, eine Ansammlung bizarrer Tropfsteine, die sich in dem verlassenen Alaunschiefer Bergwerk „Jeremias Glück“ gebildet haben. Einsetzender Sprühregen, schnelle Flucht in ein Bus-Wartehäuschen und ein durch heftigen Wind demolierter Regenschirm lassen uns den Bus nehmen. Das altersschwache Erbstück landet im Mülleimer und führt uns wieder einmal die Vergänglichkeit irdischen Besitztums klar vor Augen.
Der Höhepunkt des Tages ist der Besuch des Ratskellers mit der Renaissance-Fassade:
Stefan erfreut sich an
- Carpaccio von Entenbrust mit gratiniertem Ziegenkäse und Rucola
- Hausgemachtes Sorbet
- Gebackenes Knurrhahnfilet mit Flusskrebsfüllung auf gebratenem Spargel in Hummerschaum
- Schwarzbiereis mit Zartbitter-Schokoküchlein
Rolf nimmt
- Frische Pfifferlinge mit Taglioline
- Espoma von Flusskrebsen mit Klösschen vom Maishühnchen
- Gebackenes Knurrhahnfilet wie oben
Dazu gibt es begleitende Weine aus der Region, wie vom Hotel vorgeschlagen, in reichlicher Menge.
Am Abend lernt Stefan ein altes Lied aus der Kaiserzeit kennen:
Es braust ein Ruf wie Donnerhall
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall ……Lieb Vaterland magst ruhig sein,
fest steht und treu die Wacht am Rhein
(Die Vertonung erfolgte übrigens bereits 1854)
Etappe 3: Mittwoch, 27. Juni¶
8.45 h! Nach einem reichlichen Frühstück heißt es: Jetzt geht´s looooos!
Der Wetterbericht hat relative (???) Trockenheit prognostiziert.
Die heutige Strecke führt von Saalfeld über Rudolstadt, Uhlstädt, Kahla nach Jena. Wir wechseln öfter die Uferseite der Saale. Die Beschilderung des Saale-Radwegs ist sehr gut. Wir freuen uns auch über den guten Streckenverlauf und die wenigen Steigungen. Heute sind viele Radler unterwegs, man winkt sich zu und grüßt mit scherzenden Worten. Der Panoramablick entlohnt für die Strampelei und die Radwegbaustelle vor Jena ignorieren wir einfach. Wir kommen bereits um 13.30 h an und beziehen ein schönes Zimmer in einem alten verwinkelten Fachwerkhaus, einer früheren Gerberei, die liebevoll restauriert wurde.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 57 km |
| Fahrtzeit | 3h 30’ |
| Durchschnitt | 16,1 km/h |
Wir ziehen durch die Wagnergasse mit ihren zahlreichen Studentenkneipen, klappern einige Restaurants ab, studieren die Speisekarten und entschließen uns der Einfachheit halber später in unserem Hotel, im Weinbauernhaus „Im Sack“, zu essen. Zuerst geht es aber einmal in das weltälteste Planetarium, in dem wir uns eine mit modernster Technik ausgestattete Sternenschau über die Entdeckung des Alls ansehen. Die Wartezeit bis zum Beginn der Vorstellung überbrücken wir mit einem Bier im zum Planetarium dazugehörigen Restaurant, das mit Möbeln aus den zwanziger Jahren eingerichtet ist.
Später im Hotelrestaurant genießen wir
- Tomatensuppe mit Croutons
- Schafskäse mit Honigzwiebeln und gebratenem Radicchio
- Red Snapper mit mexikanischer Gemüsepfanne, Basmatireis und Sauce Hollandaise
Dazu gibt es ein Wein von der Saale-Unstrut
2006er Riesling Dorndorfer Rappental
Etappe 4: Donnerstag, 28. Juni¶
Wir verlassen Jena um 8.35 h auf einem neuen asphaltierten Radweg. Schon bald grüßen von weitem die drei Dorndorfer Schlösser von einem Muschelkalkfelsen. Wir fahren immer scharf an einer Regenwolke vorbei über Camburg, der Burg Saaleck und der Rudelsburg nach Bad Kösen bis in die Naumburger Weinberge. Das Lied „An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn“, das auf der Rudelsburg komponiert wurde, kommt Rolf in den Sinn.
Der Museums-Gutshof Sonnekalb will uns noch nicht für eine Pause.
Wie gut, denn kurz vor 12.00 h erreichen wir das Landesweingut Kloster Pforta (empfohlen im GM Wine Guide). Das nutzen wir aus. Beim Riesling in der Saalhäuser Weinstube bewältigen wir eine gut bestückte Wurst- und Käseplatte von ausgezeichneter Qualität (die Leberwurst war ein Traum) und lernen:
„Im Glas Wein liegt verborgen, Arbeit, Fleiß und Winzersorgen“.
Jetzt geht es in Richtung Naumburg. Wir kämpfen uns über das holprige Straßenpflaster durch den historischen Stadtkern bis zum Dom empor. Die 12 lebensgroßen Steinfiguren der Stifter im Westchor beeindrucken uns. Nicht umsonst zählt der spätromanisch-frühgotische Dom zu den wertvollsten europäischen Baudenkmälern. Trotz der Mittagspause genehmigen wir uns auf dem Domplatz noch ein Cappuccino und ein Stück Kuchen und fahren dann entlang bunter Bürgerhäuser über den Marktplatz zum Stadttor hinaus. Jetzt wechseln wir auf den Unstrut-Radwanderweg.
Die Entfernung von Naumburg nach Freyburg ist zwar nur ca. 5 km, aber die Fahrt ist doch recht mühsam. Vielleicht liegt es an den vielen Pausen, dem schlechten Radweg oder der leichten Steigung. Rechts erspähen wir über 1000 Jahre alte Weinberge mit namhaften Gütern wie z. B. das Weingut Pawis. Unterhalb der Neuenburg liegt der Herzogliche Weinberg mit seinen sieben Terrassen. Wir sind froh, als wir um 15.30 das Hotel Unstruttal erreichen. Ausgepackt, Wäsche gewaschen, geduscht, bei einem kleinen Spaziergang durch Freyburg den Po durchhängen lassen und schon sieht die Welt wieder anders aus.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 58 km |
| Fahrtzeit | 3h 48’ |
| Durchschnitt | 15,2 km/h |
Der Küchenchef des Hotels bietet sein Bestes:
- Pfifferlinge mit Nudeln
- Kaninchenkeule mit Bärlauchkruste, Ratatouille und Thymianpolenta
Wir versuchen uns an ein paar offenen Weinen:
- 2006er Schloss Neuenburg Silvaner
- Großjenaer Blütengrund Gutedel, Weingut Böhme, Kirscheidungen
- Burgscheidunger Heitsgrube, weißer Burgunder, Weingut Böhme
- Naumburger Steinmeister Kabinett, Weingut Herzer, Rossbach
Zum Abschluß ein Aprikosenbrand.
Etappe 5: Freitag, 29. Juni¶
8.05 h besteigen wir unsere bepackten Räder und sind erst einmal desorientiert. Wie kommen wir aus Freyburg heraus? Es klärt sich schnell und langsam kommen wir in Tritt.
Herrliche Auwälder, bunte Wiesen und Saale-Überschwemmungsgebiete wechseln sich ab. Heute läuft es gut und das Wetter ist gnädig. Um ca. 11.00 h traut sich sogar die Sonne hinter den Wolken hervor. Kurzes Hemd an und Pulli verstauen. Wir treffen wieder auf eine größere Radlergruppe aus GAP, denen wir schon am Vortag im Landesweingut Kloster Pforta und in Naumburg auf dem Domplatz begegnet sind. Unser Weg führt uns über Weißenfels und Bad Dürrenberg. Merseburg begrüßt uns beim Einlaufen mit Glockengeläut.
12.00 h! Mittag! Der obligatorische Kaffee und der dazugehörige Kuchen werden eingefahren. Sonst gibt es heute keine nennenswerten Pausen.
Die Wegzeiger sind heute nicht optimal, aber freundliche Eingeborene helfen uns weiter. Besonders mühsam ist der Weg vom Ortsschild Halle in die Innenstadt. Viel, viel Kopfsteinpflaster und unebene Straßen. Es gibt kaum Radwege oder befahrbare Bürgersteige. Endlich finden wir in einer Seitenstraße unsere Unterkunft, das Martha-Haus. Es stellt sich als eine Kombination von Christlichem Hospiz, Hotel und Altersheim heraus. Pfarrer Fliege war auch schon da. Die Zimmer sind geräumig, die Nachbarschaft geht offenbar früh in’s Bett und verhält sich sehr ruhig. Das kleine Hotel wurde 1885 als „Anstalt zur Belebung der Tugenden“ gegründet. Das passt zu uns.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 75 km |
| Fahrtzeit | 4h 57’ |
| Durchschnitt | 15,0 km/h |
Wir unternehmen einen Spaziergang durch Halle, sehen uns das Händel-Denkmal von unten, das Händel-Haus von außen und, nachdem Sprühregen einsetzt, ein Paulaner Bierlokal von innen an. Wir streunen über den Marktplatz, am Roten Turm und der Marktkirche vorbei und erstehen je eine Bratwurst sowie vorsichtshalber einen Schirm.
Später machen wir es uns im Weinkontor, einem ehemaligen Backsteinspeicher, gemütlich. Wir sitzen zwischen zahlreichen Weinflaschen aus allen Gegenden der Welt. Hier werden 54 Weine offen ausgeschenkt und 400 verschiedene Flaschenweine angeboten. Wir probieren Gutedel, Riesling und Dornfelder aus der Region Saale-Unstrut.
Dazu stärken wir uns mit
- Gefüllten Oliven
- Coque au Vin
- Involtini Toscana
- und einer kleinen Rohmilchkäseauswahl
Etappe 6: Samstag, 30. Juni¶
Heute beim Frühstück stärken wir uns mit Spiegeleiern, entwenden heimlich zwei Bananen für eine geplante Zwischenpause und schwingen uns um 8.20 h auf unsere Stahlrösser. Erst kurz hoch zur Moritzburg und dann finden wir schnell aus Halle heraus. Der schwache Samstagsverkehr erleichtert uns die Fahrt. Der Weg ist gut ausgebaut, aber eigentlich langweilig. Er führt ein gutes Stück von der Saale weg durch Weizenmonokultur. In den Dörfern gibt es wieder viel Kopfsteinpflaster und wir müssen gehörig Acht geben mit den Rädern nicht zu rutschen. Eigentlich sind die meisten Fahrradwege gut, aber einige sind auch unter aller Sau.
Die Streckenplanung führt über Brachwitz, Wettin, Alsleben, Bernburg nach Calbe.
Der Himmel ist bedeckt und es ist kühl. Eigentlich gutes Radfahrwetter. Zweimal schrappen wir knapp am Regen vorbei. Petrus meint es aber gut mit uns und lässt es woanders regnen. Die Saale wird jetzt deutlich breiter. Das letzte Drittel bis Bernburg läuft gut. Romantische Waldwege führen entlang dem Fluss. Wäldchen und Wiesen bestimmen die Auenlandschaft bis Bernburg. Es ist dies der größte zusammenhängende Auenwald Mitteleuropas.
Wir fahren in Bernburg die Breite Straße hoch durch die Altstadt und machen um 13.00 h im Café Florenz bei Pizza, Apfelschorle und Espresso Pause. Der Wirt spendiert jedem von uns eine Kugel Eis.
Noch 17 km bis Calbe, unserem heutigen Tagesziel. Wir benutzen wieder mehrere Gierseilfähren, die mittels Strömung das jeweils andere Ufer erreichen. Um 16.00 h laufen wir im Kaff Calbe ein und wollen im Gästehaus Rehbein einchecken. Pfeifendeckel! Keiner da! Weder stürmisches Klingeln noch wiederholtes Telefonieren lockt jemanden vor die Tür. Wir warten bei frisch gebackenem Bienenstich auf der sonnigen Terrasse der Gastwirtschaft „Saaleblick“ und suchen uns nach 75 Minuten eine andere Bleibe im Hotel zur Altstadt.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 81 km |
| Fahrtzeit | 5h 7’ |
| Durchschnitt | 15,6 km/h |
Wir beschließen den Abend ruhig und gemütlich bei einem Rumpi mit Pfifferlingen, Bier und DoKo. Calbe ist tote Hose. Selbst das nächste Kino ist 12 km entfernt.
Etappe 7: Sonntag, 1. Juli¶
Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste, wie sich beim Frühstück herausstellt. Wir treten um 8.45 h in die Pedale und stellen fest, dass heute besonders viele Radler unterwegs sind. Wir kapieren: Sonntagsausflügler mit schmalem Geldbeutel.
Eine nette Radlergruppe macht uns darauf aufmerksam, dass heute die Fähre wegen einer Segelregatta nicht fährt. Die Saale ist für die Sportveranstaltung gesperrt. Die Gruppe bietet uns an, uns über eine ehemalige Eisenbahnbrücke zu begleiten. Auf dem Weg dahin entwickelt sich eine informative Unterhaltung. Wir sind begeistert von der entgegenkommenden freundlichen Art der Menschen im Osten. So bereitwillig wird uns auf unseren Radtouren nicht oft geholfen.
Nach dem Abschied erwartet uns ein fürchterlicher Schotterweg durch den Auenwald, der kein Ende zu nehmen scheint. Von der Saalemündung in Barby sehen wir nichts. Doch plötzlich sind wir auf dem Elberadweg in Richtung Wittenberg, unserem Tagesziel. In Dessau verfehlen wir leicht den Weg, doch dann kommen wir am berühmten Bauhaus, einem UNESCO-Weltkulturerbe, in der Gropius-Allee vorbei und erreichen nach wenigen Kilometern die Waldschänke „Landhaus“ am Rande Dessaus. Ein Bauernsalat, ein Strammer Max und zwei Apfelschorle machen uns für den Nachmittag wieder fit.
Jetzt gibt es gute Wald- und Teerwege. Gestärkt fahren wir über die hölzerne Jagdbrücke, durch den Saugarten und über die Großmutterbrücke bis nach Wörlitz. Leider bleibt uns keine Zeit den berühmten, aber am Sonntag etwas überlaufenen Park, ebenfalls ein UNESCO Weltkulturerbe, besser kennen zu lernen.
In Coswig erfahren wir, wie die Gierseilfähre funktioniert. Ein langes Drahtseil, das flussaufwärts verankert ist, teilt sich kurz vor der Fähre. Ein Teil ist am Bug, das andere am Heck der Fähre befestigt. Ein veränderter Anstellwinkel bewirkt, dass die Fähre schräg zur Strömung liegt und dieser Druck das Fahrzeug von einem Ufer zum andern drängt.
Jetzt führen uns ca. 4 km fast zugewachsener Deichweg, umsäumt mit einer gelben Ginsterart, lila blühenden Disteln und hunderten von Margaritenbüschen, bis vor die Tore der Lutherstadt Wittenberg. Die Stadt zählt zu den kultur-historischen Höhepunkten entlang der Elbe. Wir kommen um 16.30 h an und machen vor der spätgotischen Schlosskirche kurz Halt.
Stefan studiert die eiserne Nachbildung der berühmten Tür, an die einst Martin Luther seine 95 Thesen schlug. In der Kirche sehen wir die Gräber von Luther und Melanchthon, den Wegbereitern der Reformation. Quartier haben wir im Hotel Beyerhof aus dem 15. Jh. gemacht, beziehen aber ein helles, modernes und bequemes Zimmer zum Hof. Zum Ensemble gehört das Brauhaus, in dem jährlich 1500 Liter Bier gebraut werden.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 92 km |
| Fahrtzeit | 5h 30’ |
| Durchschnitt | 16,6 km/h |
Wittenberg ist eng mit vielen Namen bekannter Persönlichkeiten verknüpft. An fast jedem dritten Haus hängen Schilder mit Namen bekannter Philosophen, Theologen, Dichtern und anderen historischen Promis, die geboren sind oder einmal gewohnt haben. Das Rathaus mit den Denkmälern der beiden großen Reformatoren beherrscht den weiträumigen Marktplatz, umsäumt von schön restaurierten Bürgerhäusern.
Der Goldene Anker, Gasthaus seit 1500, bietet uns - Frische Pfifferlinge mit Tagliatelle - Filetsteak mit Folienkartoffel und Salat - Bier, Bier, Bier
Den Tagesabschluss macht noch ein Krug Gerstensaft im Biergarten des Brauhauses.
Hier lesen wir:
Der Mensch, der etwas leisten soll,
braucht auch etwas Alkohol.
Denn Wasser ist für die bestimmt,
die nicht mehr zu gebrauchen sind.
Etappe 8: Montag, 2. Juli¶
Heute ist ein trüber Tag und es sind Gewitter angekündigt. Wir stehen um 6.30 h auf und sind um 8.05 h startbereit. Wir verlassen Wittenberg über die Haupt-straße. Der Weg führt uns heute über Pretzsch, Dommitzsch, Torgau und Belgern bis über Neußen hinaus. Wir fahren gute Asphaltwege, allerdings stehen rote Papiertonnen auf dem Radfahrweg und zwingen uns unfreiwillig zum Slalom. Während einer kurzen Bananenpause in einer Schutzhütte nach dem ersten Drittel der Tagesetappe setzt Sprühregen ein. Das Tief, vom Westen kommend, holt uns auf der Fahrt in Richtung Osten ein.
Nach 50 km machen wir in Dreblika in einem Radlertreff auf Bierbänken unter einem Zeltdach bei Apfelschorle und einem Betonkuchen eine Pause. Jetzt fängt es an stärker zu regnen. Wir warten etwa eine halbe Stunde, dann beschließen wir uns wasserdicht anzuziehen und loszufahren. Es frischt immer mehr auf.
Der Rest des Nachmittags entwickelt sich zum Badetag. Über eine Stunde regnet es fest. Die gute Laune bleibt jedoch ungebrochen. Auch entgegenkommende Radler machen frohe Gesichter. Wir kommen an Deutschlands erster Radfahrer-kirche vorbei und stellen fest, dass wir besser eine große Kerze gespendet hätten. Zu spät. Uwe Wesp hatte uns noch morgens im Frühstücksfernsehen gewarnt, als er von einem Sack Kaltluft sprach.
Wir passieren das Denkmal der „Begegnung an der Elbe“ in Torgau, strampeln weiter bis Belgern, wärmen uns bei einem Espresso und den beiden letzten Stück Käsekuchen in einem Café auf und gehen das Ende der Etappe an. Nach ca. 5 km kommt Neußen, am Hotelhinweisschild erst rechts, dann links den Hügel hinauf, durch den Wald und den letzten Kilometer im Schuss bergab bis vor die Türen des Forsthauses Dröschkau. Wir sind endlich da.
Auf dem Zimmer stellen wir fest, dass doch einige Kleidungsstücke feucht geworden sind. Was soll’s! Wir liegen erst einmal flach und erholen uns.
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 96 km |
| Fahrtzeit | 5h 47’ |
| Durchschnitt | 16,5 km/h |
Der Abend ist dem körperlichen und seelischen Aufbau gewidmet. Erst einmal ein großes Pils, dann gehen wir zum lukullischen Teil über:
- Tartar von norwegischen Lachs mit Reibeküchlein
- Hirschmedaillon auf Pumpernickelkruste an Ragout von Birnen und Preiselbeeren, Macairekartoffeln
- Rehrücken auf Pilzragout an Hagebuttensauce
- Gebackene Trüffelpraline im Teigmantel und Cassis Hollunderblüteneis
- Mocca Yoghurt Terrine am Früchtekorb
Dazu ein 2006er Riesling Schloss Wackerbarth
Die Nachtruhe war traumlos himmlisch!!!!!!!!!!!!
Etappe 9: Dienstag, 3. Juli¶
Beim Aufstehen um 6.15 h überrascht uns der Wettergott mit blauem Himmel und Sonnenschein. Was für ein herrlicher Tag! Wir packen unsere getrocknete Wäsche in die Satteltaschen und fahren ein mächtiges Frühstück ein.
Ein Bauer gibt uns einen guten Tipp für eine Abkürzung über Felder und durch den Wald bis nach Staritz, die uns wieder auf den Elbe-Radweg führt. Wir begegnen wieder vielen Radwanderern, die, wie wir voll bepackt, unterwegs sind. Dies ist heute der schönste Teil des Wanderwegs, der uns zwischen Elbauen und Weinbergen bis nach Meißen führt. Wir arbeiten uns die Elbbrücke hoch und leisten uns in einem Gartenlokal auf dem Marktplatz bei einem Glas Wein und einer Flasche Wasser eine erholsame Pause. Leider vergisst die Bedienung unser Bratenbrot und den Strammen Max. Das kostet uns eine Stunde, aber zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits zwei Drittel der Tagesetappe hinter uns.
Beim Start in den Nachmittag sehen wir schwarze Gewitterwolken drohend am Himmel, doch kein Tropfen Regen fällt auf uns herab. Nur noch 20 km bis Dresden. Wir überqueren die Augustusbrücke und erreichen um 16.15 h den Neumarkt mit seiner wieder aufgebauten Frauenkirche. Es ist noch immer trocken. Jetzt wollen wir es wissen und bestellen im Café Frauenkirche Espresso und Kuchen. Dann geht es gestärkt weiter in’s Dorint Hotel. Hurra! Wir erhalten ein „up-grade“, beziehen eine Junior-Suite und sind etwa eine halbe Stunde später im Hotelschwimmbad, um diverse heißgelaufene Körperteile im erfrischenden Nass zu kühlen. Was für eine Wohltat!
| Statistik | |
|---|---|
| Gefahren | 88 km |
| Fahrtzeit | 5h 30’ |
| Durchschnitt | 15,9 km/h |
Ein erster Bummel durch das Herz Dresdens und wir landen zum Abendessen im Restaurant des Hilton Hotels bei
- Wein-Käse-Suppe
- Frischem Ziegenkäse
- Rind- und Schweinefilet auf heißem Stein mit eingelegtem Gemüse und neuen Kartoffeln
Dazu natürlich wieder einen Weißwein aus der Region.
Stadttour: Mittwoch, 4. Juli 2007¶
Heute gilt es Dresden etwas näher kennen zu lernen. Der Herr Papa steht so auf, dass er sich pünktlich um 8.00 h für freiverkäufliche Eintrittskarten in das „Grüne Gewölbe“ anstellen kann. Er ist der sechste der immer länger werdenden Reihe. Die Kasse öffnet um 10.00 h und vergibt 300 Tageskarten (max. 5 pro Person) innerhalb verschiedener Zeitfenster. Schon bald ist ersichtlich, dass die Letzten der Schlange wohl Pech haben werden. Stefan stößt kurz nach 9.00 h dazu, wir entscheiden uns für das Zeitfenster 11.30 h und können erst einmal in Ruhe im Café Frauenkirche zu frühstücken.
Die Schätze des „Grünen Gewölbes“ sind wohl einmalig auf dieser Welt und hinterlassen beim staunenden Betrachter einen nachhaltigen Eindruck.
Dann besuchen wir die Hofkirche, sehen die Semperoper, das Residenzschloss, den Zwinger und entern einen Bus für die große Stadtrundfahrt. Wir lernen den Weißen Hirsch, den Großen Garten, die Stahlbrücke „Blaues Wunder“ kennen und verlassen den Bus bei Pfunds Molkerei, einem mit bis zur Decke mit alten Fliesen aus dem Jahr 1892 von Villeroy & Boch gekachelten Milch- und Käsegeschäft. Hier hat schon der kleine Erich Kästner die Milch holen müssen. Wir verziehen uns in den ersten Stock und bestellen eine Platte mit 9erlei Käse und Rotwein.
Aufgrund der Wetterlage entscheiden wir uns für eine Verkürzung unseres Dresden Aufenthalts. Wir hatten ursprünglich die Absicht am darauffolgenden Tag mit Fahrrad, aber ohne Gepäck, stromaufwärts in das Elbsandsteingebirge zu fahren und mit dem Schiff abends nach Dresden zurückzukommen. Wir wollen das nachholen.
Um 18.00 h sind wir zur Abendandacht mit anschließender zentraler Kirchen-führung in der Frauenkirche. Wir hören zwei Orgelstücke von Vivaldi, bearbeitet von J. S. Bach. Nach der Andacht erläutert eine Dame in einem packenden Vortrag den Kirchenraum, seine Bedeutung und seine Geschichte.
Wir lassen den ereignisreichen Tag in einem spanischen Lokal bei reichlich Tapas und einem mittelmässigen Rotwein ausklingen. Im Hotel gönnen wir uns in der Bar noch einen DoDoKo und eine Zigarre.
Abreise: Donnerstag, 5. Juli 2007¶
Wir schlafen heute aus, springen kurz in den Hotel Pool und hauen beim Frühstück noch einmal feste rein. Dann geht es ins Stadtmuseum, wo uns hauptsächlich die Geschichte Dresdens der letzten 60 Jahre interessiert.
Um 12.00 h satteln wir im Hotel unsere Räder und steuern bei leichtem Sprühregen Avis an. Die Räder werden schnell im Sprinter verstaut und schon geht es über Chemnitz und Regensburg zurück nach München.
Zwischen Dresden und Regensburg gibt es leider weder Tankstelle noch Raststätte. Unser Stück Kuchen hat heute etwas Verspätung. Dank des reichhaltigen Frühstücks sind wir in der Lage diese Situation zu bewältigen.
Wir kommen um 17.45 h in München an, geben den Mietwagen vollgetankt bei Avis zurück und fahren mit den Rädern weiter in die Marschallstraße, wo wir von Wilfi mit verschiedenen Vorspeisen, Lammbraten, Rosmarinkartoffeln und Ratatouille begrüßt werden. Ein gehaltvoller Primitivo aus Apulien rundet das Willkommensmahl ab.
Gefahren: 8 km (Die restlichen 458 km fuhr Stefan mit dem Sprinter)
Gesamtfahrleistung: 592 km