Beschreibung der Fahrradtour 2004: 31. Mai - 9. Juni

Ostsee Hamburg - Ahlbeck - Berlin

Ostsee Hamburg - Ahlbeck - Berlin

Anreise: Pfingstmontag, 31. Mai

Wieder einmal beginnt der Start unserer diesjährigen Tour mit dem Treffen von Stefan und Rolf an der S-Bahn Station Marienplatz. Am Flughafen München stößt Ludwig hinzu. Schon langsam ist es Routine: Lenker quer, Pedalen ab, Luft aus den Reifen, Gepäckaufgabe und ab durch den Sicherheits-Check. Die LH 042 startet pünktlich 10:35h und bringt uns bequem (Gangplätze) zum Ziel.

Stefan am S-Bahnhof Marienplatz

In Hamburg angekommen läuft das ganze rückwärts. Räder auf fahrbereit gebracht und Dank Ludwigs Luftpumpe kommen wir etwas schneller zu aufgepumpten Reifen, als das der Fall mit den Zimmermann’schen Spielzeugpümpchen gewesen wäre.

Aufrüsten der Räder am Flughafen Hamburg

Als Warm-up geht es dann nach präziser Fragerei und diffusen Antworten mit dem Rad vom Airport Fuhlsbüttel in Richtung Hotel Mercure Domicil in der Stresemannstraße. Fahrräder in der Tiefgarage verstaut, Gepäck aufs Zimmer und ab die Post zur Erkundung in die Speicherstadt.

Leider ist das Wetter nicht der Hit. Regenschauer motivieren uns mehr zur Besichtigung des „überdachten“ Hamburgs: Suppe zur Stärkung in einem Café, Speicherstadtmuseum zur Veranschaulichung der Arbeit im Hamburger Hafen und das Miniatur Wunderland, ein Miniatur Eisenbahnparadies besonders für große Buben. Beeindruckende Technik und Perfektion der Landschaftsgestaltung. Kann Hamburg-Besuchern nur empfohlen werden.

Stefan im Miniatur Wunderland Ludwig und Stefan im Miniatur Wunderland Abendessen im Lust auf Italien

„Lust auf Italien?“ Genau dort stärkten wir uns am Abend:
- Vitello Tonato
- Spaghetti con Scampi
- Calamarita griglia Livornese
- Creme Caramel, Espresso, Grappa und das Ganze begleitet von San Benedetto und Vernaccia di San Gimignano 2002

Den Abschluß bildet noch ein kurzer Spaziergang auf der Reeperbahn (aber nicht nachts um halb eins!!). Hier treffen wir wahnsinnig viele, ganz gut aussehende Fans, die uns unbedingt Gesellschaft leisten wollen. Wahrscheinlich sind wir genau der Typ, auf den die Damen fliegen. Obwohl uns teilweise hohe Summen geboten werden, besinnen wir uns auf die vor uns liegende sportliche Herausforderung und sind beizeiten im eigenen Hotelbett.

Etappe 1: Dienstag, 1. Juni

Hamburg City — Hoisdorf — Sprenge — Stubben — Westerau — Klein Wesenberg — Moisling — Lübeck

Das Rezept ist altbewährt: Früh aufstehen, gut frühstücken, Stahlross satteln und 8:45 h Abfahrt. Dank exquisiter Navigationsleistung von Ludwig finden wir den Weg gut aus Hamburg heraus. Die Fahrt entlang der Binnenalster und die hanseatischen Bürgerhäuser sind eine ideale Einstimmung für die vor uns liegenden Tage.

Das Wetter ist besser als am Vortag, sehr sonnig, aber hin und wieder Gegenwind.

Tourstart Auf Tour Auf der Suche nach dem rechten Weg Storchennest Wo geht es nach Niendorf?

Die Radwege und kleinen Landstraßen führen uns an gut erhaltenen niederdeutschen Hallenhäusern sowie vielen Getreidefeldern vorbei und sind gut zu fahren. Bei der Suche nach dem Weg erhalten wir stets freundlich Auskunft. Radtouristen sind noch (oder wieder) etwas Besonderes. Die größte Unterstützung zum Wiederaufbau unserer Kräfte erhalten wir durch einen fahrenden Bäcker, der mit seinem Verkaufswagen verschieden Dörfer abklapperte. Der macht noch schnell ein gutes Geschäft mit unserem Hunger.

Mobiler Bäckerwagen Pause mit Backwaren

Bei der Ankunft um 16:00h im Hotel Alter Speicher in Lübeck stellt sich die Fahrradunterbringung als etwas kritisch, aber lösbar heraus. Der Patron ist nicht unbedingt kundenorientiert und raunzt sein Personal an.

Holstentor Lübeck Alter Speicher Lübeck

Nach dem täglichen Procedere wie Duschen und Wäsche waschen geht es ab zum Café Niederegger. Hier erstehen wir kurz vor Toresschluss noch ein Riesenmarzipanbrot, das uns während der späteren Tage noch manche Energie zurückbringt.

Leider ist die Marienkirche mit der Totentanzorgel und der astronomischen Uhr geschlossen. Dafür genießen wir das beeindruckende Stadtbild mit dem Holstentor, Schabbelhaus, Buddenbrockhaus und der Schiffergesellschaft.

Sundowner in Lübeck Zimmermanns Lübecker Hanse

Über den Durst (Tip beim Bier vom Wirt) bekommen wir den Hinweis auf Zimmermann’s (zufällige Namensgleichheit) Lübecker Hanse:
- Spargelcremesuppe, Herzblattsalat vom Spargel
- Finkenwerder Scholle, Rinderfilet
- Frische Erdbeeren mit Vanilleeis überschwemmt mit
- Dithmarscher Pilsner
- San Pellegrino Jahrgang 2004 und
- Südbadischer Rivaner

Statistik
Gefahren 75,9 km
Fahrtzeit 4h 54‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 15,2 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig 42,1 km/h - Rolf 43,1 – Stefan 40,9

Lübecker Rathaus Ludwig und Stefan am Rathaus Lübeck

Etappe 2: Mittwoch, 2. Juni

Lübeck — Travemünde — Priwall (Fähre) — Pötenitz — Groß Schwansee — Steinbeck — Redewisch — Boltenhagen — Tarnewitz — Wohlenberg — Beckerwitz — Zierow — Hoben— Wismar

Nach einem 45 Minuten dauernden Frühstück mit vorbereiteter Wegzehrung geht es um 8:08h los. Wir finden gut aus Lübeck heraus und nehmen die Fähre von Priwall. Ab Groß Schwansee geht es dann den Küstenweg entlang bis Boltenhagen. Ein Teil der Fahrt stellt sich allerdings als Schüttelstrecke heraus: ein früherer Grenzweg der NVA mit Lochbetonplatten und regelmäßigen breiten Fugen für leidensfähige Radler. Und das alles noch die Dünen rauf, die Dünen runter. Das Zahngeklapper hört sich wie Kastagnetten an. Rolfs in China erstandene Fu Zin — Klingel gibt ständig Alarm auf diesen Rüttel-Straßen.

Fährticket Weisse Flotte Stefan und Rolf auf Fähre

13:00 h endlich Pause im Sternebecker Cafe in Boltenhagen: Cappuccino und Frankfurter-Kranz-Imitation. Zum Nachtisch obendrauf ein Stück Erdbeerkuchen.

Weiterfahrt entlang der Küstenlinie (links) und Weizenfeldern (rechts) bei strahlender Sonne und leichtem bis starkem Gegenwind bis Wismar. Trotz Sonne ist es zu frisch, um auf den Windbreaker zu verzichten und in kurzer Bux weiter zu radeln. Ludwig kristallisiert sich immer mehr als der Navigator heraus. Wismar mit seinem eindrucksvollen Stadtbild erreichen wir 15:35h.

Prost beim Restaurant Alter Schwede

Abendessen findet im „Alten Schweden“ statt, einem historischen Restaurant, das auch schon vom schwedischen Königspaar besucht worden war:
- Heringshappen, Schwedenplatte (vorzüglich)
- Fischplatte (kaum zu schaffen), Schollenfilet
- Fische schwammen in einigen Lübzer Pils

Zum Abschluß gibt es noch ein Absacker (Pils, Bock und Uenru oder so ähnlich) im berühmten Brauhaus, einer Kleinstbrauerei mit uriger Schankstube.

Hotel Alter Speicher in Wismar Brauhaus am Lohberg zu Wismar

Statistik
Gefahren 79,2 km
Fahrtzeit 5h 02‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 15,7 km/h
Höchstgeschwindigkeit Rolf 45,2 km/h - Ludwig 40,1 – Stefan o.A.

Etappe 3: Donnerstag, 3. Juni

Wismar — Müggenberg — Ganzow — Krusenhagen — Blowartz — Stove — Boinsdorf — Pepelow — Roggow — Rerik — Mechendorf — Kägsdorf — Kühlungsborn — Heiligendamm — Bad Doberan — Nienhagen — Warnemünde

6:00h heißt es: Raus aus den Federn!
7:00h Frühstück
8:00h Abfahrt mit Glockenschlag der Nikoleikirche

Auf dem Kopfsteinpflaster wachgerüttelt sind wir trotz aller Aufmerksamkeit vom rechten Wege abgekommen. Ursache: ein Schild ist verdreht. Sehr komisch!!
Entlang der Küstenlinie, die das Salzhaff und die Ausläufer der Kühlung streift, geht es durch lange und traumhaft schöne Alleen, vorbei an der intakten Windmühle von Stove — aber auch leider zum Teil bergauf: ES REICHT!!

Die erste Steigung schaffen wir gerade so und die erste Bäckerei-Pause nach 36 km ist redlich erstrampelt. Ludwig verteidigt tapfer sein gelbes Trikot, jedoch die in schwarz gekleideten Blues Brothers bleiben ihm im Nacken.

Rolf und Stefan vor Windmühle Stove Windmühle Stove Ostsee-Landschaft

Höhepunkt des Tages beginnt in Kühlungsborn. Dort wartet Molli auf uns. (Nicht was der geeignete Leser vielleicht zu denken vermag. Es handelt sich lediglich um eine Dampfeisenbahn, die uns auf schmaler Spur mit Dampf und Gebimmel über Heiligendamm entlang einer Lindenallee nach der Münsterstadt Bad Doberan bringt.
Aber Hallo: Im Salonwagen auf Plüschsitzen, mit Vorhängen an den Fenstern und Blumen auf den Tischen, kuschelig wie in Omas guter Stube.

Nachdem die Räder im Gepäckwagen verstaut sind, verwöhnt uns das nette und hilfreiche Personal mit Apfelschorle, Erdnüssen und Salzletten. Nostalgie pur.

Molly Salonwagen Lok der Molly Stefan und Ludwig vor dem Gepäckwagen Bild Ausladen der Fahrräder Ticket Bäderbahn Molli Drei Männer und der Molli-Zug Ticket Münster Bad Doberan

Der Wettergott ist ebenfalls auf unserer Seite. Stefan findet den Super-Abschlussweg durch den Küstenwald an der See entlang mit tollem Ausblick auf das Meer. Wir erspähen zwei Regatten und mehrere Frachter.

Übernachtet wird in dem uns schon bekannten Warnemünder Hof. Nach einem Sprung ins Hotelschwimmbad und dem Genuss eines anschließenden Dampfbads bringt uns ein Taxi zum „Am Strom“, einer engen Hafenstraße mit vielen Restaurants und noch mehr Touristen.

Abendessen gibt es im Fischrestaurant „Warneminner Deel“:
- Matjes mit Preiselbeermerettich u. Schwarzbrot (Super)
- Finkenwerder Scholle (Durchschnitt)

Das Dessert und der schon zur Tradition gewordene Rostocker Kümmel wird von Rolf im Garten des Warnemünder Hofs unter Hochzeitstag-Kosten verbucht.

Beim Nachtisch

Statistik
Gefahren 67,2 km (ohne Molli)
Fahrtzeit 4h 06‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 16,2 km/h
Höchstgeschwindigkeit Rolf 38,6 km/h - Ludwig 40,0 – Stefan o.A.

Etappe 4: Freitag, 4. Juni

Warnemünde — Rostocker Heide — Dierhagen — Wustrow — Zingst — Barth

Wegen der Wettervorhersage (ab Nachmittag war Regen angesagt) stellen wir uns bereits für 5:45 h den Wecker. Abfahrt ist 7:40 h. Das zahlt sich aus. Die ersten 35 km bleiben trocken, dann ab 10:30 h setzt leichter aber ständiger Regen bis zum Ende unserer Fahrt (16:00 h) ein. Zwei der Teilnehmer mutieren zum Rotkäppchen, laufend oder besser radelnd verfolgt vom (Steppen)Wolf (übrigens unser Lockvögeli für Schnaken). Heute zeigt sich, wie gut es ist, in die richtige Regenkleidung zu investieren.

Stefans und Rolfs Tachos hilft das wenig. Die haben keinen Regenschutz und saufen einfach ab! Die Fahrt führt über viele sandige Waldwege mit ungeheurer Bremswirkung (unfreiwilliger Abstieg von Rolf), allerdings auch auf gut geteerten Deichwegen, die dafür ungeschützt Wind und Regen ausgeliefert sind. Die sehr ebene Strecke ist ein kleiner Trost. Unser Weg führt uns über die ehemaligen Inseln Fischland, Darß und Zingst, vorbei an schnuckeligen Fischer- und Bauernkaten. Stärkung gibt es in Form von Fischsuppe und Fischbrötchen an der Bude, Fischkiste genannt, und später als Cappuccino und Eis (trotz des Regens) beim Italiener.

Bild

Übernachtet wird in einem ehemaligen Speicher (so heißt auch das Hotel), etwas außerhalb von Barth. Ein wirklich interessant ausgebautes Gebäude mit einem trostlosen Blick auf verrottete Hafenanlagen. Der Versuch den Industriehafen in einen Yachthafen zu verwandeln, stellte sich als Fehlinvestition heraus. Vom Radfahren haben wir für heute die Schnauze voll und beschließen im Hotel zu essen. Eine wahrhaft glückliche Entscheidung:
- Selbst zu bestimmendes 4-Gang Menü
- Rostocker Helles (seit 1878)
- zum Auftakt Sauerrahmsüppchen, Büsumer Krabbensuppe
- Matjes mit Schwarzbrot (da gibt es immer Einigkeit)
- Heilbutt, Lachsstrudel
- Mascapone Creme mit Erdbeeren, Walnußparfait mit Rotweinfeigen
- abgerundet mit Rieling trocken von Dr. Bassermann-Jordan, Pfalz

Statistik
Gefahren 85,9 km
Fahrtzeit 5h 15‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 16,3 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig 29,6 km/h – Rolf abgesoffener Tacho – Stefan dito

Etappe 5: Samstag, 5. Juni

Barth — Glöwitz — Dabitz — Flemendorf — Neu Bartelshagen — Lassentin — Krönnevitz — Preetz — Schmedshagen — Parrow — Stralsund

Heute ist so etwas wie ein Erholungstag. Wir fahren erst um 9:15h ab. Das Wetter ist wolkig und kühl, aber trocken. Der Rückenwind ist wohltuend. Die Strecke führt die Küstenlinie entlang auf Schotterwegen, berührt schilfumsäumte Bodden, streift Mischwald und Marschland. Trotz der schönen Landschaft kommen wir nicht so richtig in die Gänge. Alles fühlt sich schlapp und müde. Typisch Touren-Midlife-Crisis. Da hilft auch unterwegs die anständige Lattemacciato-Torte und der lausige Cappuccino nicht. Lediglich der Anblick wunderschön blühender Rhododendren weckt in uns Begeisterung.

Rolf und Ludwig mit Rododendren

Bereits um 13:00h treffen wir in unserem Hotel ein und stärken uns erst einmal in einem Nachbarlokal mit einem Labskaus, der nicht bei jedem volle Begeisterung hervorruft. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen sieht die Welt schon wieder anders aus. Das Hotel ist übrigens von einem Schiffsausstatter möbliert und vom Feinsten. Ludwig hatte das Zimmer Norwegian Sky, Stefan und Rolf residierten im Kong Harald.

Ein Spaziergang am Stralsunder Hafen führt uns zur Gorch Fock und an vielen teils verfallenen Hafengebäuden vorbei. Von blühenden Landschaften ist hier wenig zu sehen.

Spaziergang in Stralsund Hafenumtrunk Gorch Fock

Zum Abendessen gehen wir in den Fischkontor „Seestern“, eine kleine Pinte am Hafen, nahe der Heilgeistkirche. Das Essen ist nach guter Hausfrauenart:
- Fischsuppe
- Matjes mit Bratkartoffeln
- Zwei verträumte Warsteiner Pils und für Ludwig ein Kranichwasser
- Der Rostocker Doppelkümmel rundet das Ganze ab

Statistik
Gefahren 44,3 km
Fahrtzeit 2h 43‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 16,3 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig 33,3 km/h - Rolf 33,4 km/h - Stefan n.v.

Etappe 6: Sonntag, 6. Juni

(D-Day oder Plattfußtag)

Stralsund — Insel Rügen (Gustow — Poseritz — Maltzien-Fähre) — Stahlbrode — Reinberg - Greifswald

Rolf und Stefan auf der Brücke nach Rügen

Um 8:15h heißt es: Auf ein Neues!
Problemlose Fahrt über die Brücke nach Rügen mit einem herrlichen Blick auf Stralsund. Wir fahren an weitläufigen Wiesen und Feldern vorbei, die noch eine farbenprächtige Begleitflora von Klatschmohn, Kornblume, Kamille und anderen Blumen besitzen. Die Blütenpracht erinnert an die Gemälde von Monet.

Marschland

Um 10:15 h macht sich bei Rolfs Rad ein schleichender Plattfuß bemerkbar. Offenbar verursacht durch Glassplitter. Wie gut, daß Stefan ein sachkundiger Mechaniker ist, der sich auf solche Situationen bestens vorbereitet hat — sogar mit Einweghandschuhen. Der Austausch eines Ersatzschlauchs erfolgt in Bestzeit (das Ferrari Team hätte nicht schneller sein können) und der defekte Schlauch wird noch am selben Abend für den nächsten Katastropheneinsatz repariert. Die Mittagspause bei Strammer Max und Apfelschorle war redlich verdient. Heute steht der Wettergott wieder mit einem Sonne-Wolken-Mix und einem starken Rückenwind auf unserer Seite. Nach der Fährüberfahrt vermitteln die zahlreichen kopfsteingepflasterten Dorfdurchfahrten und die Naturfeldwege entlang des Meers ein besonderes Fahrgefühl.

Reifenwechsel

Um 14:15h erreichten wir nach kreativen Suchbemühungen unser Hotel Creativhaus in Greifswald. Nach den üblichen „Reinigungsarbeiten“ geht es per Taxi zu den verschiedenen Kirchen. Zweimal haben wir leider Pech. Geschlossen! Beim Dom haben wir endlich Glück und können uns in Ruhe den Backsteinkoloß anschauen.

Zum Abendessen sind wir beim „Alten Fritz“, einem urigen, gemütlichem und sehenswürdigen Braugasthaus. Hier geht es uns gut bei:
- Unfiltriertem Bier, sog. Zwickelfritz
- Biersuppe
- Bratwurst, Rumpsteak und
- Ein unvermeidbarer Doppelkümmel

Im Braugasthaus Zum Alten Fritz Braugasthaus Zum Alten Fritz

Statistik
Gefahren 55,0 km
Fahrtzeit 3h 32‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 16.6 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig 37,0 km/h - Rolf 38,9 - Stefan n.v.

Etappe 7: Montag, 7. Juni

Greifswald — Kemnitz — Pritzwald — Tannenkamp — Wolgast — über Brücke nach Usedom — Peenemünde — Zinnowitz — Bansin — Heringsdorf — Ahlbeck

Heute liegt die längste Etappe unserer Tour vor uns, deshalb starten wir 8:00h. Das Wetter ist teils sonnig, teils bewölkt, aber warm. Zuerst geht die Fahrt auf Empfehlung dem Fluss Ryck entlang, später radeln wir durch endlose Wälder. Nach 35 km vergreifen wir uns an ein paar Matjesbrötchen als ersten Pausensnack. Das hilft den Jungs wieder auf das Fahrrad. Die Wege sind zuerst gut bis sehr gut, später werden sie etwas sandig.

Auf der Insel Usedom fahren wir erst einmal in Richtung Peenemünde, wo wir das technische Museum für Raumfahrt und Raketenbau besuchen. Eine Doppelportion Kuchen und Cappuccino hilft uns wieder kräftig in die Pedalen zu treten und den Strand entlang in Richtung Heringsdorf zu radeln.

Zwei Jungs und ihre Rakete Eintrittskarte HTI Peenemünde

Leider verfahren wir uns jetzt und müssen uns mühsam durch den Treibsand in einem Kiefernwald kämpfen. Das geht auf den Rücken. Hinzu kommt, daß die Tagesetappe noch einige Bergwertungen enthält. 16% Steigung!! Wir erwägen schon die Möglichkeit des gegenseitigen Anseilens. Ludwig, der Dauer-Inhaber des gelben Trikots verliert es fast. Starke Angriffe von Schnaken-Geschwader machen Stefan zu schaffen. Nach zahlreichen Berg- und Talfahrten erreichen wir endlich um 16:45h Ahlbeck.

Das Seehotel Ahlbecker Hof direkt an der Promenade ist der pure Luxus. Wir finden einen feinsandigen Strand, wie er nicht schöner sein könnte. Der Hoteldiener in Livree befördert unsere stark verstaubten Satteltaschen direkt vom Fahrrad ins prachtvolle Hotelzimmer. Wie immer erst einmal Vollreinigung und dann wieder auf den Sattel und ab geht’s in Richtung Polen. Der Kurzausflug nach Swinemünde bringt es allerdings nicht. Nix zu vermelden.

Polnische Grenze bei Swinemünde

Nach Ahlbeck zurückgekehrt entschließen wir uns — wenn wir schon luxuriös wohnen — etwas einfacher zu essen. Die „Pommersche Fischstube“ liegt direkt am Seniorenpflegeheim (wie passend) und bietet uns
- Soljanka
- Matjes mit Senf-Honig-Sauce

Ein Glas Rotwein und eine Zigarre (für Ludwig ein Dessert) auf der Hotelterrasse runden den ereignisreichen und anstrengenden Tag ab.

Strand Ahlbeck

Statistik
Gefahren 91,2 km + 14 km Ausflug
Fahrtzeit 5h25‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 16,8 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig- 41,3 km/h - Rolf 41,5 - Stefan n.v.

Etappe 8: Dienstag, 8. Juni

Ahlbeck — Kamminke — Fähre nach Ueckermünde — Zugfahrt nach Chorin

Abfahrt vom Ahlbecker Hof

Um 7:00h startet der Tag mit einem außerordentlich guten Frühstück, der Qualität des Luxushotels angemessen. Dann heißt es wieder Räder bepacken und in den Sattel schwingen. Abfahrt um 8:00h. 13,5 km geht es durch den Wald über herausfordernde Hügel (Keuch, ächz!) durch das Reich der Schnaken (Merkwürdig, wie früh die unterwegs sind. Die wußten bestimmt, daß Stefan hier durchkommt) nach Kaminke zum Hafen.

Die Vorderbremse von Rolfs Rad schleift. Diagnose: Stein in Bremsbacke reibt an der Alufelge. Die Wartezeit am Hafen erlaubt Stefan die Bremse auseinanderzunehmen und das Übel zu beseitigen. Die Bezahlung erfolgt prompt in Form einer Runde Honigwaffeln.

Rolf und Ludwig an Bord der Priwall

Dann geht’s an Bord der „Priwall“. Räder und Gepäck werden verstaut und wir gönnen uns alle eine Apfelschorle. Punkt 10:00h legt die Fähre ab und nimmt Kurs auf Ueckermünde. Die nächsten 75 Minuten können wir uns von der ersten anstrengenden Stunde erholen. Vom Hafen zum Bahnhof sind es nur 15 Minuten. Hier stellt sich heraus, wie gut es war, daß Stefan die Zugkarten schon vorher organisiert hat. Alle Schalter geschlossen. Der Bahnhof dämmert vor sich hin.

Warten auf den Zug nach Pasewalk Rolf und Ludwig im Zug nach Pasewalk DB-Fahrkarte Ueckermünde-Chorin

Endlich trifft die Regionalbahn OMB ein. Tolle Wagen. Die Stahlrösser werden vertäut und wir lassen uns von der Schaffnerin mit heißen Würstchen bedienen. Schnell in Prenzlau umgestiegen, verlassen wir den Zug in Corin und kämpfen uns wieder über Irrwege durch den Wald bis zu unserem Hotel. Dort ist der Bienenstich von guter Qualität und gibt uns genug Schwung die Klosterruine zu besichtigen.

Hotel Haus Chorin Eintrittskarte Kloster Chorin

Für das Abendessen haben wir in der Immenstube reserviert:
- Matjes Vorspeise
- Wildschwein, Seezungenröllchen

Statistik
Gefahren 17,4 km
Fahrtzeit 1 h26‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 12,1 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig 43,2 km/h – Rolf Tacho spann - Stefan n.v.

Etappe 9: Mittwoch, 9. Juni

Chorin — Eberswalde — Biesenthal — Bernau — mit S-Bahn nach Berlin-Mitte

8:00h Abfahrt vom Hotel. Die befürchteten Steigungen durch den Wald konnten wir durch Investition von 1,65€ in eine detaillierte Radkarte über das Barnim-Dreieck umgehen. Der Weg führte durch eine wunderbare Landschaft entlang des längsten künstlichen Kanals. Sehr romantische Eindrücke. Ab 10.15 h setzt leichter Regen ein, der sich zum strömenden Dauerguß entwickelt. Das Abwarten in einer Schutzhütte am Kanal erweist sich als zwecklos. Also: Regenklamotten an und soweit wie möglich alles wasserdicht gemacht. Motto: Augen zu und durch!

Rolf und Ludwig am Havelkanal Stefan und Rolf im_Regenunterstand Fahrkarte Berlin

Um 13:25h Ankunft am S-Bahnhof in Bernau und anschließend Weiterfahrt bis zum Berliner Nordbahnhof. Um 15:00h war das Ziel Dorint Hotel an der Charité erreicht. Räder in die Tiefgarage, Gepäck aufs Zimmer, die Mädels geküsst und Berlin einschließlich der MOMA und anderer Museen sowie verschiedene Restaurants bis zum Wochenende genossen.

Dann: Same procedure as last year! Per Taxi zum Flughafen Tegel, mit der LH 225 um 15:00h nach MUC und mit der S-Bahn in die Stadt. Aus!

Statistik
Gefahren 55,8 km
Fahrtzeit 3h 27‘
Durchschnittsgeschwindigkeit 16,1 km/h
Höchstgeschwindigkeit Ludwig 32,6 km/h - Rolf Tacho endgültig abgesoffen – Stefan befürchtet ähnliches


FAZIT: Deutschland bietet ideale Radelbedingungen auch trotz mancher „Luftfeuchtigkeit“.

Gesamtstrecke 572 km


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