Beschreibung der Fahrradtour 2002: 25. Mai - 1. Juni
Rhein I Basel - Mainz¶

Platzhalter Komoot-Tourplan
Anreise und Etappe 1: Samstag, 25. Mai¶
Zwischen 8:30h und 10:00h Einsammeln der hochmotivierten Fahrräder mit noch höher motiviertem Stefan und Ludwig. Verfrachtung der Passagiere in einen Avis Mercedes Sprinter.
Fahrt von 529 km in teils strömendem Regen über Memmingen, Ulm, Stuttgart, Karlsruhe in Richtung Basel. Das Sauwetter war ein grausiger Auftakt.
Als Stärkung unterwegs gab’s im Avis Stehimbiss „Cold Dogs“ (Ludwigs Bratwurst-Stiftung).
Krämer’sche Bemerkung: „Beim Einfahren in die Avis-Station wird die Sonne scheinen.“
Der Mann hatte recht. Basel im Sonnenschein – auch abends aus den Gläsern: Pinot Noir du Valais serviert im Chateau Lapin zu
- Gemischter Salat
- Kalbsleber mit Rösti !!!!!
- Crème brûlée
Übernachtung im Hotel Steinschanze.
Vorher wurden allerdings die ersten 10 km von Weil am Rhein nach Basel Mitte geradelt (unter Umgehung der Schweizer Zollbehörde).


Etappe 2: Sonntag, 26. Mai¶
Blauer Himmel am frühen Morgen, später etwas bedeckt und sonnig.
Die Fahrt ging am Rheinkanal entlang bis Hunique und Kembs. Dann weiter durch Foret de la Hardt Sud nach Rumersheim, Blodelsheim (Mittagspause am Straßenrand mit den ersten Sitzentspannungsübungen bei Bratwurst 2. Teil und „Zuckerschuss“). Dann weiter über Fessenheim, Balgau, Volgelsheim nach Biesheim: Hotel Deux Clefs.

Leider war das Restaurant abends wegen Muttertag in Frankreich geschlossen. Offenbar waren die Arbeitszeiten schon mächtig überzogen. Trotzdem genossen wir eine kleine Stärkung bei einer Flasche Riesling und einem guten Stück einer Fleischpastete.

Am Abend mussten wir allerdings mit dem Taxi nach Colmar ausweichen. Dort hatten wir im Bristol ein schönes Dinner:
- Gänseleber bzw. „Wurst gefüllt mit Gänseleberstücken“
- Selle d’Agneau bzw. Seewolf
- Espresso bzw. Pistazieneis
- abgerundet mit einer Flasche Pinot Noir
Die Tagesleistung betrug schlappe 65 km in 3:55h Fahrtzeit. Die richtige Entfernung zum Warmfahren.

Etappe 3: Montag, 27. Mai¶
8:30h Start bei kühlem, aber trockenen Wetter über Kunheim, Artzenheim nach Marckolsheim. Hier besichtigten wir ein Denkmal der Maginot-Linie.

Weiterfahrt nach Rhinau; Rast bei Rhabarber- und Käsekuchen. Dann ging es schnurgerade dem Rhein-Rhone-Kanal (Canal du Rhone au Rhin) entlang bis Strasbourg. Wunderschöne verträumte Landschaft, der Radweg unter alten Bäumen und hin und wieder ein mächtiger Pott, der gerade so durch den Kanal passte.
Ca. 8 km vor dem Ziel gab es leider eine unfreiwillige Pause wegen eines heftigen Regenschauers (mit Hagel). Aber die französischen Brücken sind ja für einen Unterschlupf bekannt. Man muss nur abwarten können. Nach Aufrüstung mit allem, was Regen und Nässe abweisen könnte, ging es dann weiter ins Best Western Hotel.

Die Tagesetappe betrug 80 km (79,8) und wurde in 4:14h bewältigt. Der Hunger war gewaltig und so stärkten wir uns vor einem Spaziergang schnell mit Cappuccino und Pastete.
Leider war die Winstub Hailich Graab geschlossen. Aber nach der Besichtigung des Münsters gab’s ein angemessenes Abendessen im Maison Kammerzell:
- Entenleber
- Edelfisch auf Sauerkraut
- Cardamom Parfait und Nougatine
- mit einem Riesling Kaefferkopp
Etappe 4: Dienstag, 28. Mai¶
Wegen der großen Etappe sollte es heute einmal beizeiten losgehen. Start war um 8:15h nach einem reichhaltigen Frühstück. Nach dem Bunkern von sechs kleinen Guglhupf als Proviant gab es die ersten größeren Navigationsprobleme. Dies führte zu Besichtigungsfahrten, die im Programm nicht vorgesehen waren. Aber dann: ab Wantzenau waren die Probleme gelöst und es erfolgte eine nette und zügige Fahrt auf Wegen zwischen Rhein und Ill.


Nach 60 km und Rückenwind trafen wir an der Staustufe Iffezheim ein, wo wir mit Heinz Keller verabredet waren. Ein mäßiger Cappuccino und ein Stück Buttercremetorte gab uns wieder die notwendige Kraft. Dank des Lotsendienstes durch Heinz fuhren wir zügig bis Karlsruhe, aber – kaum durch Heinz allein gelassen – standen wir wieder buchstäblich im Wald. Aber es gab genug nette Menschen, die bereitwilligst Auskunft gaben und nach insgesamt 115 km Tagesetappe fanden wir endlich das Hotel „Zum Ochsen“ in K-Durlach. Ein toller erster Eindruck und sehr gemütliche Zimmer.
Wetter: ca. 20 Grad, etwas wolkig, ideal zum Fahren: 6:12h; max. Geschwindigkeit 49,0 km/h.
Nach dieser Anstrengung entschlossen wir uns einstimmig zum Degustationsmenue:
- Amuse bouche
- Feiner Hummersalat
- Filet Vivanon mit Frühlingsgemüsen und Pfifferlingen
- Gougère gefüllt mit Tomatenconfit, Langustinen und wilder Spargel
- Sobet Fraise
- Kalbscarée mit grünem Spargel
- Französischer Rohmilchkäse
- Weisser Pfirsich mit Vanille-Grand Marnier Sabaignon mit Cocos Eis
- Weine: Pouilly Fumé 2000
Chevry Chambertin 1996
Etappe 5: Mittwoch, 29. Mai¶
Nach einem wirklich hervorragenden Frühstück mir Crème brûlée und der Begrüßung durch die Frau Wirtin, die Küchenmeisterin ist und für das exquisite vorabendliche Menue verantwortlich zeichnete, ging’s wieder ans Bepacken der Drahtesel. Um 8:45h ertönte der allgemeine Befehl:
Auf die Rad’ln steigts! In die Pedalen trets!
Heinz Keller holte uns vom Hotel ab und führte uns auf verschlungenen Waldwegen aus dem verkehrsreichen Karlsruhe. Seine Anwesenheit hielt uns nicht nur vom Verirren ab, ihm konnten auch verschiedene Utensilien, die eigentlich dem Hotel gehörten, zur Rückgabe anvertraut werden.
Wir verabschiedeten uns an der Fähre Leimersdorf uns setzten auf das linksrheinische Ufer über. Die Fährleute waren sehr geduldig mit uns und legten erst ab, nachdem wir unsere Abschiedsfotos geschossen hatten.

Am anderen Ufer angelangt ging es dann hauptsächlich über Waldwege in Richtung Speyer. Zur Kräftigung kehrten wir unterwegs bei „Marias Hexenhäusl“ ein. Auf eine simple Kaffeebestellung folgte schnell eine Kartoffelsuppe und Dampfnudeln und schon ging es wie geschmiert weiter direkt nach Speyer.

Nach einer kurzen Dombesichtigung und der absolut notwendigen Sitzmuskelentspannung ging es dann durch die Weinberge (Keuch, ächz) bis nach Deidesheim. Es ist erstaunlich, dass ein Wingert den Anschein der Eiger Nordwand haben kann. Nach diesen Mühen lief es – dem lieben Gott sei’s getrommelt und gepfiffen – bergab bis vor die Türen des Hotels „Deidesheimer Hof“.

Die Tagestour betrug 95 km; die Strampelzeit 5:26h; der Durchschnitt 17,2 km/h; die Höchstgeschwindigkeit 57,8 km/h.
Schon etwas verwöhnt durch die vorhergegangenen Abende waren die Erwartungen hochgeschraubt und in diesem Falle auch leider enttäuschend. Die Menuefolge:
- Kalbsfilet mit Wildkräutern
- gebackene Seezungenroulade
- Wachtelbrust und Gänsestopfleber
- Rehrücken/Wirsing (roch und schmeckte sehr stark; wurde ausgetauscht gegen Lamm. Schade!)
- Käseauswahl (sehr fachkundig und charmant präsentiert)
- zerlaufener Schokokuchen auf Bananensauce
Da wir die letzten Gäste waren hatten wir zusätzlich noch die freie Auswahl vom Desertwagen. Leider ging kaum noch etwas.
Die Weine:
- Deidesheimer Herrgottsacker Selection 2001, Riesling Kabinett, Reichsrat von Buhl
- Herxheimer Himmelreich 1999, Frühburgunder Spätlese, Weingut Schumacher
Trotz der kleinen Panne ein netter (da eine Dame am Tisch) aber teurer (da drei hungrige Biker im Lokal) Abend.

Etappe 6: Donnerstag, 30. Mai¶
Fronleichnam und Sonnenschein – wie oft, war es auch an diesem Feiertag der Fall. Nach der Verabschiedung von Sigrid und Ludwig, der leider ausstieg, verließen wir unter Glockengeläute nach nur wenigen Stunden Schlaf den gastlichen Weinort. Durch schön geschmückte Dörfer und mit einigen Umgehungen von Prozessionen fuhren wir durch die Weinberge nach Bad Dürkheim, über Ludwigshafen nach Worms. Wegen des Feiertags was der Radlerverkehr so stark, dass es fast an Engpässen zu Behinderungen kam.
In Worms – wie auch sonst – wieder schichtweise eine kurze Dombesichtigung: ein sehenswerter Balthasar-Neumann-Altar.
Ab Worms folgten wir dem Rhein bis nach Osthofen, dann schräg ins Gelände (oder präsizer: in nordwestliche Richtung) über Gau-Odernheim, Wörnstadt bis Jugenheim/Rheinhessen. Das zog sich. Die langsam ansteigenden Weinberge gingen sauber in die Oberschenkel. Fahrstrecke: 99 km über reichlich Hügel. Die Anstrengung und die Sonne hatten uns mehr Farbe gegeben als wir wollten. Aber da muss man halt durch. Die „Einlaufgeschwindigkeit“ nach Jugenheim betrug 52 km/h.

Im Wedenhof hatte Joachim für uns reserviert und zusammen mit Ulli erfreuten wir und an einem (oder mehreren?) Riesling trocken 1999, Adolf Schick, Jugenheim.
- Matjes Tartar
- Spargelcremesuppe
- Filetmedaillon mit Stangenspargel
Zur Krönung ein – nein, zwei – Haselnussgeist.
Etappe 7: Freitag, 31. Mai¶
Gepennt wie die Bären bis 8:15h. Raus aus den Federn und pünktlich geschnäuzt und gekämmt um halb neun am Frühstückstisch. Gestärkt wurde dann die letzte Etappe in Angriff genommen.

Das Frühstück konnte man auch gut gebrauchen. Es galt nämlich erst einmal wieder über die Berge zu klettern. Die längere Talfahrt am Vorabend rächte sich: viermal abgestiegen zur Verschnaufpause – und das auf einer stark befahrenen Bundesstraße. Aber dann ……
Die Bergabfahrt war eine längere Belohnung: über Essenheim, Lerchenberg nach Mainz.

Nach einer „italienischen“ Vesper und der schon obligatorischen Dombesichtigung radelten wir über den 50. Breitengrad durch die Stadt bis zum Schloss und dann flussabwärts am Rhein entlang: Weisenau – Laubenheim – Bodenheim – Nackenheim – Nierstein (wieder leicht durch Weinberge). Dann Übersetzen mit der Kornsandfähre und über Geinsheim, Wallerstädten nach Groß-Gerau.

Tagestour von 59 km – fast ein Spaziergang.
Abends bei (Groß-) Muttern mit Spargelsalat und Bratwürsten zu Kräften gekommen wurde die Radl-Tour 2002 mit einigen Bierchen in netter Runde in der Gerichtslinde gefeiert.
Abreise: Samstag, 1. Juni¶
523 km
war die Gesamtleistung in sechs Tagen. Keinen Sturz, vernünftiges Wetter, traumhafte Landschaften, teils exklusive Restaurants, gute und schöne Hotels, eine harmonische Gesellschaft. Da musste ja noch etwas kommen.
Und so war es auch!
Am letzten Tag kam das Blut in Wallung. Trotz Reservierung stand bei Avis kein Mercedes Sprinter für uns bereit. Nach einigen organisatorischen Turbulenzen fanden wir endlich einen Opel Vectra (Glück im Unglück) für weniger Kosten am Rhein-Main-Flughafen, der nur auf uns zu warten schien.
Rein mit den Fahrrädern und dem Gepäck und ab nach München, wo wir um ca. 18:00h endlich eintrafen.
Wie auch immer die Begrüßung in den anderen Haushalten ausfiel, der Autor dieser Reisebeschreibung wurde jedenfalls mit einem traumhaften Abendessen und einer gut gekühlten Flasche Wein willkommen geheißen.
Daheim ist’s auch ganz schön!